Geburtsverletzungen – was du wirklich wissen solltest (und dir niemand vorher sagt)

Geburtsverletzungen – was du wirklich wissen solltest (und dir niemand vorher sagt)

Ich bin Anna, Gynäkologin und kann dir sagen: eine Geburt ist pure Urkraft. Dein Körper bringt Leben in die Welt und leistet dabei Großartiges. Doch auch wenn leider wenig darüber gesprochen wird: Bei rund 80 % aller vaginalen Geburten kommt es zu einer Verletzung von Vulva oder Vagina. Zum Glück ist dein Körper im Wochenbett komplett auf Heilung eingestellt und die allermeisten Risse heilen folgenlos aus.

Dein Mini-Guide

Diese Geburtsverletzungen gibt es

  • Dammriss: Der Damm liegt zwischen Vagina und After, er besteht aus Haut und Beckenbodenmuskulatur. Oberflächliche Schürfungen heilen hier oft allein, tiefere Risse werden genäht.
  • Vaginalriss: Ein Riss der Vaginalwand heilt oft recht schnell und ohne starke Beschwerden, da er gut geschützt ist und Schleimhäute sich sehr schnell regenerieren.
  • Labienriss oder -schürfung: Eine Schürfung oder auch ein Einriss der inneren Labien scheint im ersten Moment oft nicht so dramatisch, kann jedoch in den ersten Tagen beim Wasserlassen und Sitzen sehr unangenehm sein.
  • Dammschnitt: Früher war der Dammschnitt Standard, heute erfolgt er zum Glück nur noch in medizinisch begründeten Einzelfällen, wenn der letzte Abschnitt der Geburt erleichtert werden soll. Dammschnitte brauchen zur vollständigen Heilung meist etwas länger als Risse.

💡 Good to know: Wenn es zu einer Geburtsverletzung kommt, wird sie direkt nach der Geburt noch im Kreißsaal versorgt. Du hast eine PDA? Perfekt, denn sie lindert auch Schmerzen bei der Naht. Ohne PDA wird eine lokale Betäubung gesetzt.

Heilung – gib dir Zeit

Dein Körper ist im Wochenbett voll auf Regeneration eingestellt. Kleine Risse sind nach ein bis zwei Wochen verheilt, ein Dammschnitt oder größere Verlertzungen brauchen bis zu sechs Wochen. Manchmal bleibt die Narbe noch ein paar Monate empfindlich, auch wenn oberflächlich schon längst alles wieder heil ist.

📍 Quick Tipp: Wenn du dir mit deiner Wunde unsicher bist, sie anhaltend sehr wehtut oder unangenehm riecht, lass bitte deine Gynäkologin oder deine Hebamme draufschauen.

Die richtige Pflege

  • Nach dem Toilettengang mit lauwarmem Wasser spülen, sanft trocken tupfen. Super hilfreich kann hier eine Intimdusche sein, wie beispielweise die Wochenbett Intimdusche von Frida.
  • Kühlen mit gefrorenen Binden oder Coolpacks in den ersten Tagen lindert Schwellung und Schmerz (aber bitte nie Eis direkt auf die Haut).
  • Luft dranlassen! Lockere, atmungsaktive Unterwäsche – oder auch mal „unten ohne“ entspannen.
  • So wenig wie möglich sitzen, lieber liegen und mit deinem Baby kuscheln.
  • Pflanzliche Wirkstoffe wie Arnika, Kamille, Hamamelis können die Heilung unterstützen. Bitte nur nach Absprache mit Hebamme oder Gynäkologin verwenden.
  • Bei Schmerzen darfst du selbstverständlich in Rücksprache mit Gynäkologin oder Hebamme ein stillverträgliches Schmerzmittel einnehmen

Fazit

Dein Körper hat ein Wunder vollbracht. Jetzt darf er in Ruhe heilen.