Unterleibsschmerzen im Wochenbett: Was tun?

Unterleibsschmerzen im Wochenbett: Was tun?

Die ersten Wochen nach der Geburt sind eine intensive Zeit voller körperlicher Veränderungen. Unterleibsschmerzen im Wochenbett gehören für viele Mütter dazu und sind meist ein ganz natürlicher Teil der Rückbildung. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Schmerzen normal sind, wann du ärztliche Hilfe brauchst und wie du dir Linderung verschaffen kannst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Unterleibsschmerzen im Wochenbett sind in den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt völlig normal und ein Zeichen dafür, dass sich deine Gebärmutter zurückbildet
  • Nachwehen entstehen durch Gebärmutterkontraktionen und können besonders beim Stillen stärker werden
  • Warnsignale wie starkes Fieber, übelriechender Wochenfluss oder sehr starke Schmerzen solltest du ernst nehmen und zeitnah mit deiner Hebamme oder Ärztin besprechen
  • Mit Wärme, Ruhe und sanften Schmerzmitteln kannst du die Beschwerden im Unterleib gut lindern und deinem Körper die Erholung geben, die er braucht

Dein Mini-Guide

Sind Unterleibsschmerzen im Wochenbett normal?

Ja, Unterleibsschmerzen im Wochenbett sind leider absolut normal und betreffen tatsächlich die meisten Mütter. Nach der Entbindung muss sich deine Gebärmutter von ihrer maximalen Größe in der Schwangerschaft wieder auf die ursprüngliche Form zurückbilden.

Dieser Prozess geschieht durch Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur, die du als ziehende oder krampfartige Schmerzen im Unterbauch spürst. Die Nachwehen sind ein wichtiges Zeichen dafür, dass dein Körper seine Regeneration in Gang gesetzt hat und die Rückbildung gut verläuft.

Wann Du zum Arzt gehen solltest

Auch wenn Schmerzen im Wochenbett normal sind, gibt es Warnsignale, bei denen du nicht zögern solltest, deine Ärztin oder Hebamme zu kontaktieren. Gehe sofort zum Arzt, wenn du Fieber über 38,5 Grad entwickelst, denn dies kann auf eine Entzündung oder Infektion hinweisen. Auch ein übelriechender oder eitriger Wochenfluss ist ein deutliches Warnsignal für eine mögliche Gebärmutterentzündung.

Weitere Symptome, die eine ärztliche Untersuchung erfordern, sind sehr starke Schmerzen, die sich nicht mit normalen Schmerzmitteln lindern lassen, sowie plötzlich auftretende, stechende Schmerzen im Unterleib. Wenn dein Wochenfluss plötzlich stockt oder du einen unangenehmen Druck im Unterbauch verspürst, könnte ein Wochenflussstau vorliegen. Auch bei Anzeichen einer Thrombose wie einseitigen Beinschmerzen oder Schwellungen solltest du nicht warten. Vertraue auf dein Gefühl und zögere nicht, im Krankenhaus oder bei deiner Hebamme nachzufragen, wenn etwas nicht stimmt.

📌 Hebammen-Tipp: Notiere dir die Intensität und Häufigkeit deiner Schmerzen in einem kleinen Notizbuch. So kannst du deiner Hebamme oder Ärztin bei Fragen konkrete Informationen geben und Veränderungen besser einschätzen.

Ursachen von Schmerzen im Unterleib

Die Ursachen für Unterleibsschmerzen im Wochenbett sind vielfältig und meist harmlos. Hier sind die häufigsten Gründe:

  • Nachwehen und Gebärmutterkontraktionen: Deine Gebärmutter zieht sich zusammen, um wieder ihre ursprüngliche Größe zu erreichen. Das Hormon Oxytocin, das beim Stillen ausgeschüttet wird, verstärkt die Kontraktionen zusätzlich
  • Rückbildung der Gebärmutterschleimhaut: Nach der Geburt löst sich die Plazenta von der Gebärmutterwand, was zu Schmerzen und dem Wochenfluss führt
  • Geburtsverletzungen: Dammrisse, Dammschnitte oder Kaiserschnitt-Narben können in den ersten Wochen nach der Geburt Schmerzen verursachen
  • Wochenflussstau: Wenn der Wochenfluss nicht richtig abfließen kann, entsteht ein unangenehmer Druck im Unterleib
  • Entzündungen und Infektionen: Selten können Bakterien über die Scheide in die Gebärmutter gelangen und eine Gebärmutterentzündung auslösen
  • Verstopfung: Dein Darm braucht nach der Geburt Zeit, um wieder in seinen normalen Rhythmus zu finden, was zu Beschwerden im Unterbauch führen kann

Welche Arten von Unterleibsschmerzen gibt es?

Nachwehen

Nachwehen sind wehenartige Schmerzen, die durch die Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur entstehen. Sie treten besonders in den ersten Tagen nach der Entbindung auf und können beim Stillen intensiver werden, da das Hormon Oxytocin die Gebärmutterkontraktionen fördert. Viele Mamas berichten, dass Nachwehen beim zweiten oder dritten Kind stärker sind als beim ersten Baby.

Ziehende Schmerzen

Ziehende Schmerzen im Unterleib sind oft ein Zeichen der fortlaufenden Rückbildung. Sie können bis in den Rücken oder die Oberschenkel ausstrahlen und fühlen sich ähnlich wie Menstruationsschmerzen an. Diese Art von Schmerzen zeigt, dass deine Gebärmutter und die Muskeln im Beckenbereich sich regenerieren und zurückbilden.

Stechende Schmerzen

Stechende Schmerzen sind meist intensiver und können durch Geburtsverletzungen, Narbengewebe oder Verwachsungen entstehen. Bei einem Kaiserschnitt können solche Schmerzen im Bereich der Narbe auftreten, besonders bei plötzlichen Bewegungen. Stechende Schmerzen solltest du im Auge behalten und bei deiner Hebamme ansprechen.

Druckgefühl im Unterbauch

Ein Druckgefühl im Unterbauch kann verschiedene Ursachen haben. Häufig deutet es auf einen Wochenflussstau hin, bei dem der natürliche Abfluss blockiert ist. Auch eine volle Blase oder Verstopfung können dieses unangenehme Gefühl auslösen.

Schmerzen beim Wasserlassen

Schmerzen beim Wasserlassen in den Tagen nach der Geburt können auf kleine Verletzungen im Bereich der Scheide oder Harnröhre hinweisen. Auch eine Blasenentzündung ist möglich, besonders wenn während der Geburt ein Katheter gelegt wurde. Achte auf ausreichend Wasser und kontaktiere deine Ärztin, wenn die Beschwerden anhalten.

Was tun gegen Unterleibsschmerzen im Wochenbett?

Die gute Nachricht ist, dass du einiges tun kannst, um die Schmerzen im Wochenbett zu lindern und deinem Körper die Erholung zu ermöglichen, die er braucht. Hier sind die fünf besten Tipps aus meiner Erfahrung als Hebamme.

Tipp #1: Wärme nutzen

Wärme ist dein bester Freund bei Unterleibsschmerzen im Wochenbett. Ein warmes Kirschkernkissen oder eine Wärmflasche auf dem Unterbauch entspannt die Gebärmuttermuskulatur und lindert Nachwehen spürbar. Auch ein warmes Bad kann Wunder wirken, allerdings solltest du damit bis etwa zehn Tage nach der Geburt warten, damit Geburtsverletzungen gut verheilen können und das Infektionsrisiko sinkt.

Tipp #2: Ruhe und Schonung

Dein Körper hat Großartiges geleistet und braucht jetzt Zeit zur Regeneration. Gönn dir ausreichend Ruhe und vermeide schweres Heben oder anstrengende Haushaltsarbeiten in den ersten Wochen nach der Entbindung. Leg dich mit deinem Baby hin, wann immer möglich, und lass dir von deiner Familie oder deinem Partner unter die Arme greifen. Überanstrengung kann die Rückbildung verzögern und Schmerzen verstärken.

📌 Hebammen-Tipp: Richte dir ein gemütliches Wochenbett-Nest ein mit allem, was du und dein Neugeborenes brauchen. So musst du nicht ständig aufstehen und kannst die wichtige Erholung genießen, die dein Körper jetzt braucht.

Tipp #3: Sanfte Schmerzmittel

Bei stärkeren Unterleibsschmerzen im Wochenbett darfst du zu Schmerzmitteln greifen. Ibuprofen ist auch beim Stillen erlaubt und wirkt gleichzeitig entzündungshemmend. Sprich mit deiner Hebamme oder Ärztin über die richtige Dosierung und Dauer der Einnahme. Viele Mamas haben Gedanken, ob Schmerzmittel dem Baby schaden könnten, aber bei den empfohlenen Medikamenten besteht kein Grund zur Sorge.

Tipp #4: Bewegung im richtigen Maß

Auch wenn Ruhe wichtig ist, tut sanfte Bewegung deinem Körper gut. Kurze Spaziergänge an der frischen Luft fördern die Durchblutung, unterstützen die Rückbildung und heben deine Stimmung. Achte aber darauf, dich nicht zu überanstrengen. Wenn du merkst, dass die Schmerzen stärker werden oder der Wochenfluss zunimmt, mach eine Pause und leg dich hin.

Tipp #5: Stillen und Nachwehen akzeptieren

Wenn die Nachwehen beim Stillen besonders stark sind, kann das frustrierend sein. Atme bewusst durch die Kontraktionen und erinnere dich daran, dass jede Nachwehe deine Gebärmutter ein Stückchen weiter zurückbildet. Das Hormon Oxytocin, das beim Stillen freigesetzt wird, fördert nicht nur die Bindung zu deinem Baby, sondern auch die wichtige Rückbildung der Gebärmutter. Manche Mamas finden es hilfreich, vor dem Stillen ein Schmerzmittel zu nehmen, wenn die Nachwehen sehr intensiv sind.

📌 Hebammen-Tipp: Probiere verschiedene Stillpositionen aus. Manche Mamas empfinden die Schmerzen in Seitenlage als weniger stark, weil kein zusätzlicher Druck auf den Unterbauch entsteht.

Fazit

Unterleibsschmerzen im Wochenbett sind ein natürlicher Teil der Regeneration nach der Geburt und zeigen, dass dein Körper seine wichtige Rückbildung durchläuft. Mit Ruhe, Wärme und der Unterstützung deiner Hebamme kannst du diese intensive Phase gut meistern. Vertraue auf dein Gefühl und zögere nicht, bei Warnsignalen wie Fieber oder starken Schmerzen ärztliche Hilfe zu holen, damit du diese besondere Zeit mit deinem Neugeborenen genießen kannst.

Häufig gestellte Fragen

Ja, Unterleibsschmerzen in den ersten Wochen nach der Geburt sind völlig normal. Die Nachwehen entstehen durch die Rückbildung der Gebärmutter und sind ein wichtiger Teil der körperlichen Erholung. Besonders beim Stillen können die Schmerzen stärker werden, da das Hormon Oxytocin die Gebärmutterkontraktionen fördert.

Anzeichen für Überanstrengung sind verstärkte Schmerzen im Unterleib, eine Zunahme des Wochenflusses oder das Wiederauftreten von frischem, roten Blut. Auch starke Erschöpfung, Schwindel oder ein Gefühl der Überforderung deuten darauf hin, dass du dir mehr Ruhe gönnen solltest. Dein Körper sendet dir klare Signale, wenn du ihm zu viel zumutest.

Eine Gebärmutterentzündung erkennst du meist an Fieber über 38,5 Grad, starken Unterleibsschmerzen und einem übelriechenden oder eitrigen Wochenfluss. Weitere Symptome können ein allgemeines Krankheitsgefühl, Schüttelfrost und eine druckempfindliche Gebärmutter sein. Bei solchen Anzeichen solltest du umgehend deine Ärztin oder Hebamme kontaktieren, damit eine Infektion rechtzeitig behandelt werden kann.